Freitag, 4. März 2016

Bilanz - mein Leben in einem kapitalistischen Land - Teil 12

Der Tod meiner Mutter, viele schreckliche Monate und dann ein neuer Lichtblick



 
Als ich Jürgen brauchte, um meiner todkranke Mutter für die Klinik fertigzumachen, erlebte ich das Jobcenter als rasend schnell und effektiv. Über das dortige Callcenter landete ich binnen kürzester Zeit am Telefon unserer damaligen Fallmanagerin, einer sehr netten jungen Frau, die Jürgen sofort nach Hause kommen ließ.

Als wir in der Klinik ankamen, mussten wir zunächst sehr lange warten. Ein unglaublich unfreundlicher, regelrecht abweisender junger Arzt rief mich rein und erzählte mir was davon, ob ich lebensverlängernde Maßnahmen für meine Mutter wolle. Als er mein entsetztes Gesicht sah und wohl dachte, ich würde ihm heulend um den Hals fallen oder dergleichen, herrschte er mich an, ich dürfe ihn nicht anfassen, da würde er nicht mögen. Ich hatte hingegen überhaupt nicht verstanden, was dieser Mann mir hatte sagen wollen, sondern sagte ihm, was für einen Unsinn er eigentlich von sich geben würde, meine Mutter hätte eine Magengrippe und bräuchte dringend einen Topf, damit sie nicht austrocknet, denn sie würde sich schon lange ständig übergeben und weder Essen noch Trinken blieben drin.

Als wir zu Hause waren, rief uns der Chefarzt an und redete wieder davon, ob ich nun lebensverlängernde Maßnahmen wollen würde oder nicht. Ich hatte inzwischen überlegt, was dieser Chaot von einem Notarzt mir eigentlich hatte mitteilen wollen und fragte dann nach, der Arzt möge mir doch bitte erstmal erklären, was eigentlich genau los sei, was meine Mutter hätte. Er sagte dann, sie hätte Nierenversagen, das sei tödlich. Sie könne an Maschinen noch einige Wochen überleben, aber sie würde da nie mehr von weg kommen und ohnehin sterben, so langsam, ohne Maschinen unter Morphium schneller in wenigen Tagen sterben. Ich sagte, dass ich darüber dann mit meiner Mutter zunächst einmal selbst reden würde und gleich in die Klinik kommen würde. Und ich würde vorher noch sofort alle meine Kinder benachrichtigen.

Manuel habe ich nicht angerufen. Der letzte Anruf hatte mich so mitgenommen, dass ich Angst vor noch so einem Gespräch hatte. Ich habe ihm deshalb eine E-mail geschickt, seine Oma läge im Sterben, wenn er sie nochmal sehen wolle, müsse er sofort kommen. Telefoniert habe ich dann nacheinander mit allen anderen Kindern. Ich weiß heute nicht mehr, wen ich zuerst angerufen habe. Mit Vanessa und Marius ging es ohne Streit ab. Vanessa kam auch sofort mit mir gemeinsam ins Krankenhaus und das war sehr gut. Aber mit Esther ging es nicht ohne Streit ab, und das hatte einen Grund. Als ich sie fragte, wie es ihr ginge, erzählte sie mir, sie hätte Nixe, Reno, Max, Filia und Rika verkaufen müssen. Ich frage dann an wen und sie sagte mir, sie würde mir nicht sagen, wem sie Nixe und Reno verkauft hätte. Daraufhin weiter noch ein vernünftiges und freundschaftliches Gespräch mit ihr zu führen, war mir nicht mehr möglich. Meine Mutter starb, meine Tochter hatte meine !!!! beiden Pferde, die ich gekauft und ihr doch nur so überlassen hatte, aber nicht zum Verkaufen, einfach verkauft und teilte mir noch nichtmal mit, an wen. Auch wenn sie sicher Gründe dafür hatte, auch schwerwiegende, die ich heute erahnen kann. Etwas viel Schlimmeres gibt es wohl kaum noch, als so zu reagieren, wenn man gerade den Anruf erhält, dass die eigenen Oma im Sterben liegt. Ich weiß nur von Vanessa und Marius, dass sie bei meiner Mutter vor ihrem Tod in der Klinik waren, Marius hat aber nicht mehr mit ihr reden können, sie stand dann schon unter Morphium und war nicht mehr bei Sinnen.
Vanessa in der Tierarztpraxis, wo sie arbeitet

Vanessa half mir sehr bei der Entscheidung, was ich tun sollte. Ich hatte nach allen den Erlebnissen mit den Ärzten in dieser Klinik kein Vertrauen zu ihnen, aber ich vertraute meiner Großen, als sie mir sagte, meine Mutter würde einen Ammoniak-Geruch ausströmen, der typisch für Nierenversagen sei. Sie hätte schon hunderte von Hunden, Katzen und anderen Tieren mit eingeschläfert, die an Nierenversagen gestorben seien, die würden immer so gerochen haben. Ich könnte den Angaben der Ärzte deshalb Glauben schenken. Nun musste ich mit meiner Mutter darüber reden. Sie war vollkommen klar, ganz anders als im Jahr davor, wo sie nach ihrer Rückkehr aus der Klinik fast immer vollkommen wahnsinnig gewesen war. Sie hat mir erzählt, sie hätte sich immer ein Kind gewünscht und als ich geboren worden wäre, wäre ich die Erfüllung ihres größten Wunsches gewesen. Sie hätte mich immer über alles geliebt, sei aber auch immer eifersüchtig auf jeden Mann gewesen, der in meine Nähe gekommen sei. Aber sie sei nun froh, wo sie gehen müsse, dass ich mit Jürgen einen guten Mann an meiner Seite hätte, der für mich da sein würde, da sei sie sicher. Sie sagte, ich solle das tun, was am besten für sie sei, damit das Sterben nicht so schlimm sein würde. Ich habe ihr versprochen, ich würde alles tun, ihr das Sterben so leicht wie möglich zu machen. Ich werde dieses letzte Gespräch mit meiner Mutter nie vergessen.
Ein altes Foto von Mama und mir mit meinen Großeltern

Meine Mutter war nie einfach und ich glaube kaum, dass es viele Mütter gibt, die ihre Kinder so sehr in Anspruch nehmen wie es meine Mutter mit mir getan hat. Dennoch bin ich heute froh, dass ich immer für sie da war, auch wenn sie nicht die perfekte Mutter war. Es gibt sicher kaum einen Menschen, der mich so geliebt hat wie es meine Mutter tat. Vielleicht tut es der Jürgen, sonst niemand.

Am 29.09.2011 hatte meine Mutter es überstanden. Meine Tochter Vanessa hatte schon zwei Tage vor ihrem Tod gesagt, jeden Hund würde man jetzt einschläfern, aber ein Mensch muss sich leider so lange quälen, bis er von allein stirbt.

Sie sah sehr friedlich aus, als Jürgen und ich sie in dieser Nacht noch einmal in der Klinik besuchen fuhren. Als wir wieder zu Hause waren, miaute ihre Katze sehr lange durch die Wohnung. Das war sehr eigenartig und nicht typisch für Blanka. Jürgen ist nicht fromm, aber er sagte zu mir, Oma ist hier, Blanka auf Wiedersehen sagen. Vielleicht war sie ja wirklich noch einmal hier, bevor sie ihre letzte große Reise angetreten ist.
Blanka

Die Beerdigung meiner Mutter war ebenfalls eines der schrecklichsten Erlebnisse meines Lebens. Manuel kam gar nicht. Vanessa kam mit Janin und Marc. Warum hat sie sie nicht noch einmal mit zu ihrer Oma gebracht? Was hatte meiner Mutter nach ihrem Tod denn noch davon, dass die Kinder bei ihrer Beerdigung waren? Esther kam. Sie sah grauenvoll aus, mager und schwer krank. Ich weiß, dass sie irgendwann einen schlimmen Autounfall hatte. Ich weiß nicht wann, wir haben nur einmal telefoniert und da hat sie mir davon erzählt. Vielleicht war dieser Unfall der Grund dafür, dass sie Nixe, Reno, Max, Filia und Rika verkaufen musste. Ich vermute das. Auch was mir später Einsteller von ihr erzählt haben, die nicht dort geblieben sind, dürfte mit diesem Unfall und den Folgen zu tun haben, denn was diese Leute sagen, passt nicht zu dem, wie ich den Hof meiner Tochter selbst erlebt habe. Solange ich dort sein konnte, was dort alles ordentlich und gut organisiert und die Pferde hatten es gut. Beide setzten sich nicht zu mir, sondern auf die andere Seite der kleinen Friedhofskapelle. Bei mir waren nur Ela und zwei andere Freunde aus Preetz, um Jürgen und mir Beistand zu leisten, nicht meine Kinder. Marius kam zu spät und setzte sich auch zu seinen Schwestern und meinen beiden Enkeln.

Am Grab meiner Mutter standen meine Kinder auf einer Seite, Jürgen und ich und unsere Freunde auf der anderen. So etwas erleben zu müssen, grenzt an eine Herzlosigkeit, die grenzenlos ist.

Marius ging zuerst mit seinen Schwestern mit, um dort nach der Beerdigung mit beiden eine Weile zusammenzusein, kam danach zu Jürgen und mir nach Hause. Der Konflikt, in dem er steckte, war ganz sicher nicht einfach für ihn.
Marius

Ich half ihm damals, er brauchte dringend Geld, weil das Bafögamt nicht überwiesen hatte. Er musste deshalb sein Studium unterbrechen, fing danach wieder an, aber jobbte dann ohne Bafög, weil das grundsätzlich nicht funktioniert hatte. Viele Monate nach Omas Beerdigung erreichte ich Marius überhaupt nicht mehr, weil ich nicht wusste, wo er wohnte. Er hat sich irgendwo bei Freunden durchgeschlagen, hat er mir erzählt. Meldete sich erst über ein Jahr später wieder bei mir, als er anderswo wieder eine eigene Wohnung hatte. Ich war inzwischen einmal dort, als Marius Jürgen und mir wegen unseres damals defekten Computers half. Er wohnt dort mit einem Freund zusammen, den er schon lange kennt. Der junge Mann ist schon seit 2013 der neue Lebensgefährte meiner Tochter Esther und wurde ihr Partner, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Mann Jan und Imke, die Ex von Marius, bereits seit 8 Jahren !!!!! ein Verhältnis gehabt haben. Das war auch schon so, als Esther und Jan geheiratet haben und als Esther Jans Wunsch erfüllte, dafür zu sorgen, dass Raphael seinen Nachnamen statt den seines richtigen Vaters bekommen hat. Selbst mein Ex Hansi sagt, dieses Verhalten muss man nicht verstehen und dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Irgendwann hat Marius mir erzählt, meine Familie würde sagen, ich würde mir wünschen, dass er schwul sei, aber das sei er nicht, es sei immer nur eine Wohngemeinschaft mit einem guten alten eben männlichen Freund gewesen. Ja, warum denn nicht? Aber warum kann ich denn diesen Freund nicht kennenlernen? Auch wenn mein jüngster Sohn uns besucht, muss ich dieses Verhalten nicht verstehen.
Esther mit ihrem neuen Partner Matthias, ich fand es im Internet

Ich selbst musste für das Sozialamt allen meinen Kindern und auch deren Partnern ein Formular bringen wegen der Beerdigungskosten. Der Bestatter hatte mir allerdings gesagt, die Kinder müssten keine Angst haben, es gäbe viele Urteile der Sozialgerichte, dass weder Enkel noch deren Partner etwas zahlen müssten, wenn es Kinder seien, denn die seien zuständig. Ich habe das auch allen meinen Kindern so erklärt. Ob es mein Schwiegersohn von Esther verstand, weiß ich nicht, er ließ uns nicht rein, um mit Esther zu reden, er brüllte rum, er würde uns wegen Hausfriedensbruch anzeigen. Später hat er dem Sozialamt Preetz die Angabe gemacht, ich hätte von meiner Mutter in Chiwa und Prima zwei wertvolle Pferde geerbt. Chiwa und Prima haben meiner Mutter nie gehört und außerdem sind sie nicht wertvoll. Ich hatte diesbezüglich aber Hilfe, und zwar sowohl von der Sachbearbeiterin beim Preetzer Sozialamt und auch von meiner Fallmanagerin, die mir beide bescheinigt haben, dass Chiwa und Prima keinen Wert haben und sie schlachten zu lassen, um den Schlachtpreis zu verwerten, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen würde.

Ich wünsche meinem nun ja Ex-Schwiegersohn, dass er irgendwann für alles, was er mir angetan hat, die gerechte Strafe bekommt, und zwar von Gott.

Ich sollte noch eine weitere Grausamkeit erleben, und zwar in dem Bokseer Stall, wo unsere Pferde damals ihren Pensionsplatz hatten. Schon als wir die Pferde dort eingestellt hatten, hatten wir gesagt, es könnte einmal schwierig werden, wenn meine Mutter sterben würde, denn diese Situation könnten wir durch nichts abfedern. Man bekommt das Pflegegeld nur so lange, wie man auch pflegt, es gibt keine Übergangszeit, um sich einen Job zu suchen, kein Arbeitslosengeld, nichts. Man fällt in ein riesengroßes soziales Loch. Unser Bauer gehörte zu den Menschen, die oft schon Tage vor dem Ersten immer fragten, ob schon Geld gekommen sei. Das war bei uns oft so, denn meine Mutter hat ja Sozialhilfe bekommen und die ging oft sehr früh ein. Nun aber hatte ich am 10. des Folgemonats nach Mamas Tod erst für ein Pferd bezahlt und wir suchten händeringend Arbeit. Sofort sprach dieser Bauer davon, Prima verkaufen zu wollen. Er ließ uns keine Zeit, noch nicht einmal einen Monat, um nach Mamas Tod finanziell auf die Beine zu kommen.
Chiwa und Prima

Hilfe hatten wir von einem alten Freund aus meinen Kindertagen, der dann erstmal den Stall für Prima bis Ende des Jahres bezahlt hat. Ich hatte ihn bei stayfriends wieder gefunden, er hatte seine Frau verloren und wusste, wie schwer man nach einer Beerdigung wieder auf die Beine kommt. Er sagte, er würde gern helfen, ich hätte auch schon oft jemand geholfen und ihm sei auch schon in der Not geholfen worden. So würde er das Leben verstehen. Auch zwei Forenfreundinnen halfen mit kleinen Summen für die beiden Pferde, bis wir wieder zugange kamen. Und eine davon gab mir außerdem den Tipp, mich als Texterin zu bewerben, denn sie würde sich auch so nebenberuflich Geld für ihre Pferde dazu verdienen.

Auch unsere Fallmanagerin half auf ihre Art, sie besorgte mir sofort einen 1-Euro-Job in Preetz, wo ich zu Fuß hin gehen und mir drei Monate lang jeden Monat 130 Euro dazu verdienen konnte.

In der Zwischenzeit hatten Jürgen und ich beide in dem Texter-Portal eine Zusage bekommen und unsere ersten Texte verfasst, die auch angenommen wurden. Im Laufe der Zeit haben wir noch ein zweites dieser Portale gefunden, wurden dort auch besser und höher gestuft, fanden einen Extra-Kunden, der auch ab und zu Aufträge schickt und wursteln uns so durch. Es ist ein harter, aber schöner Job, den wir beide heute machen. Wir sind Freiberufler und müssen aufstocken, aber die Freibeträge reichen, um unseren beiden Pferden das Überleben zu sichern.
Jürgen und ich 2015 im Stall

Es gibt heute für uns nach wie vor ein Auf und Ab, Höhen und Tiefen im Leben, aber so schreckliche Dinge wie damals, als meine Mutter ihr letztes Lebensjahr verbrachte, starb und begraben werden musste, haben wir bisher noch nicht wieder erlebt, sondern nur den ganz normalen Alltagsstress, den in Deutschland Millionen von Menschen erleben, die ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen.

Mein jüngster Sohn musste aufgrund einer schweren unheilbaren Krankheit sein Studium abbrechen. Er hat einen guten Job und trägt es mit erstaunlich viel Fassung. Ich werde selbst sehr alt sein, wenn diese Krankheit ein Ausmaß erreichen könnte, dass sie wirklich schlimm wird. Das macht mir große Sorgen. Er hatte schon bei seiner Geburt einen so schweren Start ins Leben und es nie leicht und hat das einfach nicht verdient, aber das Leben ist eben nicht immer gerecht. Aber er lebt und ab und zu meldet er sich.
Marius im Frühling 2015

Das Jobcenter zu ertragen ist nicht immer leicht. Es ist nicht die Schuld der Sachbearbeiter, es liegt am System. Bei den Linken bin ich dennoch nicht mehr. Es haben mir einige Dinge in ihrem Parteiprogramm nicht gefallen. Ich wähle heute die Piraten, weil sie die einzige Partei sind, die das Bedingungslose Grundeinkommen versuchen würden einzuführen, von dem ich denke, es könnte unsere Welt in Deutschland positiv verändern und das Leben für viele Menschen so wieder lebenswert machen.

Für mich persönlich wäre aber auch das zu spät, um jemals wieder Vertrauen zu meinen drei ältesten Kindern haben zu können. Ich habe erlebt, dass sie mich alle im Stich gelassen haben, als ich in Not war und werde das nie vergessen können. Verzeihen, das ja, denn Kindern verzeiht man Dinge, die man niemand sonst verziehen würde, vertrauen aber, das niemals wieder.

Vor 2 1/2 Jahren fühlte ich mich krank und bekam eine Krebsdiagnose. Ich entschied mich dafür, mich nicht operieren zu lassen, weil die Gewebeproben meiner Schilddrüse keine Krebszellen enthalten haben. Als ich einige Monate später an einer Grippe erkrankte und Antibiotikum bekam, verschwand der Knoten an meiner Schilddrüse von alleine. Ich habe keinen Krebs, aber ich bin schwer herzkrank. Der Vertrauensarzt hat dem Jobcenter mitgeteilt, dass ich nur noch 2 bis 3 Stunden am Tag leichte Büroarbeiten machen darf. Mehr hält mein Herz nicht mehr aus. Das ist gut so. Sie werden mich in Zukunft dann sicher meine Arbeit als Texterin machen lassen.

Jürgen hat auch eine Untersuchung beantragt, denn er hat große Probleme mit seinem Rücken.

Unser Mietshaus wurde verkauft und wir wusten lange nicht genau, ob wir hier nach nun schon zwei Mieterhöhungen wohnen bleiben durften. Aber ich habe das hin bekommen mit der zu hohen Bruttokaltmiete, denn ich kann einen Raum als Büro bei der Anlage EKS absetzen. Ansonsten läuft eine Klage beim Sozialgericht, der wir uns angeschlossen haben, die schon jemand anders in einer ähnlichen Angelegenheit eingereicht hat. Man fragte uns, ob wir das abwarten möchten. Also habe ich ja dazu gesagt.

Dennoch sind das alles eher kleine Sorgen gegenüber denen, die wir davor haben erleben müssen.

Wir haben auch den Stall gewechselt und mit zweien danach viel Pech gehabt, die hier in der Nähe waren. Beim ersten stießen wir unvermutet auf einen Hengst und gingen weg, im zweiten erlebten wir, wie gefährlich Schimmel und Sumpfschachtelhalm im Futter sein können und Chiwa erkrankte wieder an Hufrehe, und das sehr schlimm. Im dritten hat sich Chiwa nun gut erholt und Jürgen und Ela sind letzten Sommer sogar ab und zu auf ihr geritten. Leider werden wir den Stall erneut wechseln müssen, denn dort wurde eine Reithalle gebaut und so entstanden diverse Probleme für uns. Das ist nicht schön, aber im Vergleich dazu, was wir schon alles erlebt haben, eine Bagatelle, die sich demnächst durch einen Stallwechsel wird lösen lassen.
2015 Jürgen reitet Chiwa wieder

Blanka hat Oma inzwischen mehr als vier Jahre überlebt und ist schon uralt. Boomer ist immer noch ein kleiner frecher Terrier und macht uns viel Freude.

Wir haben kein Auto mehr und laufen sehr viel zu Fuß, auch täglich in den Pferdestall von Preetz nach Reuterkoppel und zurück. Das hält uns körperlich fit. Im ersten Jahr sind wir alleine zum Stall und zurück eine Strecke gelaufen, die der nach Minsk und zurück entspricht.




Ela 2015 beim Reiten

Im August 2012 ist Jürgens Mama Lilo auch gestorben. Sie wollte leider nie, dass wir sie mit hier hoch nehmen. Sie wollte in Bad Nenndorf bei ihren Freundinnen bleiben. Bei ihrer Beerdigung war keine davon, aber so ist das im Leben wohl oft. Auch Jürgens Kinder kamen nicht zur Beerdigung ihrer Oma.
Ich mit Chérie sowie Jürgens Mama Lilo und meiner Mama

Wir lieben uns immer noch.

Ach ja, wir haben am 1.3.2013 übrigens geheiratet, auch wenn Jürgen und ich das nie vor hatten. Marius war dabei, als einziges unserer Kinder.

Diese Geschichte, die ich Bilanz genannt habe, erscheint in unserem Blog. Was ein Blog ist, haben wir als Texter gelernt. Jetzt, wo ich diesen Text veröffentliche, am 04.03.2016, hat dieser Blog schon mehr als 2,4 Millionen Leser gehabt. Ich wollte ja früher mal Journalistin werden, heute bin ich eine, wenn auch keine gut bezahlte.

Auf den Titel Bilanz für meine Biografie bin ich gekommen, weil ich aus meinem Leben eine recht bittere Bilanz ziehe.

Ich habe viel in den falschen Mann und unsere gemeinsamen Kinder investiert, sehr viel. Zurück bekommen habe ich nicht ansatzweise das, was ich gegeben habe. Es ist eine negative Bilanz in Bezug auf meine Familie.

Vielleicht werde ich andere Dinge in meinem Leben mit weniger Verlust abschließen können als mein Dasein als Ehefrau und Mutter, das mich im Nachhinein sehr enttäuscht hat. Dennoch gab es viele Jahre, von denen ich sagen kann, dass ich zwar nicht meine Ehe, aber meine Aufgabe als Mutter sehr geliebt habe und die Zeit mit meinen Kindern, als sie mich noch alle liebten und das auch gezeigt haben, sehr genossen habe.

Ach ja .. mein Ex-Mann ist schon wieder solo. Er unterhält sich mit mir. Er hat mir erzählt, dass auch das Leben mit seiner Babs, die mir selbst einmal erzählt hat, wie abgöttisch sie meinen Ex liebt, nur noch Krampf gewesen sei. Ich war offensichtlich nicht die einzige Frau, die ihm nach nur kurzer Zeit zum Hals raus hing. Das beruhigt mich irgendwie.Er macht Privatinsolvenz. Er sagt, er dürfe ja nicht sehr viel verdienen wegen der Insolvenz. Ich weiß, was das bedeutet. Ich kenne ihn zu gut, um es nicht zu wissen. Ich werde hier aber nicht sagen, was ich denke. Wer Bilanz bis hierhin verfolgt hat, wird es aber wissen. Momentan ist er sehr krank und am Knie operiert worden. Es wird Monate dauern, bis das geheilt ist. Es tut mir irgendwie leid und ich wünsche ihm, dass diese Operation gelungen ist. Wir haben uns vor einigen Monaten zufällig getroffen. Ich hasse meinen Ex nicht mehr, ich liebe ihn auch nicht mehr. Ob er irgendwann ein Freund werden kann, weiß ich noch nicht. Warum er ist wie er ist, habe ich im Laufe unserer Ehe gelernt zu verstehen und habe jetzt ja nicht mehr darunter zu leiden.

Jürgen und ich rechnen jeden Cent, selbst die kleinen Werbeeinahmen aus unserem Blog, gewissenhaft mit dem Jobcenter ab. Wir schimpfen über diesen Staat, bescheißen tun wir ihn aber nicht.

Irgendwann mache ich hier weiter, wenn ich dann noch leben sollte, was bei meinem schwachen Herzen länger oder auch kürzer der Fall sein könnte.

Also bis dann.

LG Renate

Bilanz - mein Leben in einem kapitalistischen Land - Teil 11

So grausam können die eigenen Kinder sein


Meine Mama ca. 2009 mit uns in Boksee bei den Pferden

 
Meine Mutter jammerte ständig wegen ihrer Enkel. Deshalb habe ich im Frühling 2009 um die Osterzeit herum für sie ein Treffen mit allen Kindern und Enkeln arrangiert. Es tat mir weh, nicht selbst dabei sein zu können, denn schon damals durfte ich erleben, wie grausam meine eigenen Kinder mit mir umgingen. Das Treffen fand bei meinem Ex-Mann in der Wohnung und im Garten statt, der damals eine Wohnung in Klausdorf in der Nähe meiner jüngsten Tochter Esther gemietet hatte und noch mit seiner Freundin Katrin zusammen war. Ich versuchte damals vergeblich, dass meine Mutter mir irgendetwas darüber erzählen könnte, sie war geistig schon so weit weg, dass absolut nichts dabei rüberkam. Bei diesem Treffen waren alle Kinder, Schwiegerkinder und Enkel dabei, auch Anni, Manuels Frau und Imke, die Ex-Freundin von Marius. Mein Ex-Mann und seine Katrin waren natürlich auch da.
Meine Nachfolgerin Katrin bei Esther mit Filia, ihrem Lieblingspony

Ich hatte mich bis dahin mit Anni oft sehr lebhaft per E-mail unterhalten. Das hat einmal damit angefangen, dass die Dackelhündin Luna von Anni und Manuel Dackellähme bekommen hatte und ich auch versucht hatte mitzuhelfen, mehr Informationen darüber zu finden, wie man dem armen Tier helfen könnte. Später stellte ich fest, dass sie kurz vor diesem Treffen noch freundliche Antwort-mails an mich geschickt hatte, danach allerdings hat sie nie mehr auf irgendetwas reagiert, was ich ihr schrieb.

Was an diesem Tag wer zu Anni über mich gesagt haben mag, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich bin sicher, es hat sie an diesem Tag jemand gegen mich aufgehetzt, und das so gründlich, dass sie beschloss, mich nicht darüber zu informieren, dass sie mich zur Oma machen würde. Mein Enkel Jarvin von Manuel und Anni, der irgendwann im November 2009 auf die Welt kam (ich habe das Datum inzwischen vergessen, habe das Kind ja auch noch nie sehen dürfen), war schon einige Wochen alt, als ich auf dem Jappy-Profil meines Ex-Mannes einen virtuellen Schnuller als Geschenk von Freunden mit einem Text entdeckte, der darauf schließen ließ, dass er Opa geworden sei.
Anni, Dackelhündin Luna noch gesund und mein Ex Hansi

Mein Ex war inzwischen nicht mehr mit Katrin zusammen, sondern hatte sich in eine Babs aus Berlin verliebt, die auch gerade Oma geworden war. Die kleine Tochter ihrer Tochter und mein Enkel Jarvin sind ungefähr gleich alt. Auf diese dumme Tour erfuhr ich aber dann von Vanessa, Esther und auch Marius, von dem ich nun am ehesten angenommen hätte, er wäre womöglich Vater geworden, von welcher Frau auch immer, dass sie mir nicht sagen dürften, wer mich zur Oma gemacht hätte. Manuel war laufend zu Besuch da gewesen, aber immer ohne seine Frau. Meine Fragen, ob wir mal mit Oma zu Besuch kommen könnten, wimmelte er monatelang immer ab. Jetzt wurde mir auch klar wieso. Als wir telefonierten, gab es einen schlimmen Streit. Er behauptete, sie hätten ja überlegt, mich mal mit dem Kleinen zu Weihnachten zu besuchen, ganz gönnerhaft. Ja bin ich denn ein Hund? Ich bin die Oma dieses Kindes, von dem man mir die gesamte Schwangerschaft seiner Mutter über, die immerhin 9 Monate gedauert hat und nicht einmal bei seiner Geburt auch nur ein Wort gesagt hat, und hätte ich nicht zufällig diesen Schnuller entdeckt, auch wenn der gar nicht für Jarvin gedacht gewesen ist, wäre ich nie darüber gefallen.
Klinikfoto von Jarvin, geb. 13.11.09

Tja … Manuel erzählte mir, ich hätte ja erzählen können, dass ich von Anni und ihm Oma würde und Anni hätte Angst um ihren Arbeitsplatz gehabt, wenn jemand von der Schwangerschaft erfahren würde. Was für ein Quatsch. Sie hat jahrelang in diesem Betrieb gearbeitet und es gibt in Deutschland Mutterschutz. Ein noch fadenscheinigeres Argument hätte sich mein Sohn wirklich nicht mehr einfallen lassen können. Ich fand ein Foto des Kleinen auf der Homepage der Klinik, wo er auf die Welt gekommen ist. Ein süßer Kerl, der mich vermutlich nie kennenlernen wird. So grausam können Kinder sein.

Aber es geht noch grausamer.

Im September 2010 brach meine Mutter sich auf dem Flur ein Bein. Es war ein glatter Bruch und ich erlebte dabei leider den Pflegenotstand in Deutschland am Fall meiner Mutter so hart mit, wie man sich das nur vorstellen kann. Natürlich habe ich alle meine Kinder informiert, dass ihre Oma mit einem gebrochenen Bein im Preetzer Krankenhaus liegt. Zu Hause besuchen kommen, das taten meine Töchter ja nun beide nicht mehr, Manuel kam nur ohne seinen Sohn und Marius selten, aber der immerhin ohne feindselig zu sein. Ich musste sie ins Krankenhaus bringen und hinterließ als wichtig, dass man sie nicht mit Entwässerungsmitteln und anderen giftigen Medikamenten behandeln solle und dass sie so dement sei, dass sie unbedingt Aufsicht brauchen würde, damit sie nicht auf die Idee käme, nach der Operation aufzustehen, weil sie zur Toilette müsste. Eigentlich sollte sie nach einigen Tagen wieder nach Hause kommen, aber es glückte nicht, dass sie mit Hilfe der Krankengymnasten in der Klinik am Gehwagen laufen lernte.
Meine Mutter vor dem Sturz hier in der Glinkdskoppel in der Küche

Ich wurde in der Klinik überredet, meine Mutter zum Aufbauen in die Reha-Klinik Middelburg zu lassen. Dort seien Experten, die sie beturnen und ihr helfen würden. Ich hätte dazu nicht ja sagen sollen. Middelburg war weit weg von uns, über 80 km mit dem Auto. Nun ist es in Deutschland so, dass man Pflegegeld nur im ersten Monat weiter bekommt, aber dann nicht mehr, wenn die Pflegeperson in einer Klinik ist und die Pflege die Klinik macht. Wie also sollten Jürgen und ich es bezahlen, täglich mehrmals wie in Preetz noch möglich, zu meiner Mutter nach Middelburg zu fahren? Es ging nicht. Wir konnten nur jeden 2. Tag einmal kommen und uns um sie kümmern. Ich telefonierte mit allen Kindern, aber keins war auch nur einmal bei meiner Mutter in Middelburg, um uns zu unterstützen. Mama verfiel zusehens. Dann erzählte mir eine der nicht ganz so dementen Omis, dass sie laufend nachts um Hilfe schreien würde, sie könne deshalb kein Auge zutun. Ich wurde hellhörig und setzte mich mit dem Chefarzt der Reha-Klinik Middelburg in Verbindung. Ich sagte, er soll meine Mutter nach Hause bringen, so könne sie nicht gesund werden, ich würde hier zu Hause die Krankengynmastik selbst für sie arrangieren. Die Auskunft, die ich von diesem Arzt am nächsten Tag bekam, war niederschmetternd, obwohl es noch nicht alles war, was man meiner Mutter im Krankenhaus angetan hat, sondern nur der Anfang. Aus dem glatten Bruch war ein Trümmerbruch geworden. Es muss sie jemand fallen lassen haben oder aus dem Bett fallen lassen. Wo, wann, ließ sich nie ermitteln. Es kann in Preetz und auch in Middelburg passiert sein. Ich gehe aber davon aus, dass es wahrscheinlich schon in Preetz passiert ist, denn sie war ja schon dort nicht in der Lage, nach der OP zu stehen und zu gehen und kam aus diesem Grund zur Weiterbehandlung nach Mittelburg.
Mama, Boomer, Chérie und ich vor dem Sturn am Postsee

Also kam Mama zurück. Für die 2. OP schenkte ich ihr einen kleinen Glücksbringer, ein Glücksschweinchen, der später noch eine Rolle spielen soll, eine symbolische. Mama überlebte diese zweite OP nur knapp, war eine Weile in der Intensivstation, aber sie überlebte. Als sie nach Hause kam, erwartete mich ein weiterer Schock. Ich hatte darum gebeten, den Katheter aus ihrer Blase entfernen zu lassen. Außerdem hatte ich angegeben, dass ich jetzt Hafemann heißen würde und wer die neue Hausärztin in Preetz wäre, die meine Mutter jetzt behandeln würde. Als der Krankenwagen kam, wunderte ich mich, wo die Träger denn bleiben würden. Die klingelten oben im Haus bei einer Frau Braasch, die dort wohnt und zufällig den gleichen Namen hat wie mein früherer Ehename. Ich heiße ja aber seit meiner Scheidung wieder Hafemann. Die Unterlagen waren auf den ehemaligen Hausarzt meiner Mutter aus Kirchbarkau ausgestellt, der längst Rentner war, nicht auf ihre neue Hausärztin. Und sie hatten sie mit einem regelrechten Medimamentencocktail gefüttert und ihre vormals schon schlechten Leberwerte waren noch schlechter geworden, neu dazu gekommen waren nun auch noch schlechte Nierenwerte. Ganz toll. Unter den Medikamenten waren auch zwei hammerharte und süchtig machende Psychopharmaka zum Ruhigstellen gewesen. Ich erfuhr später von einer Nachbarin, die in einem Pflegeheim arbeitet, dass solche Medikamente in unseren Pflegeheimen für demente unruhige alte Menschen, da man keine Zeit für die Leute hätte, an der Tagesordnung seien. So stellt man sie ruhig, damit sie nicht ständig schreien und brüllen. Na klasse.
Mama viele Monate nach dem Sturz beim Laufenlernen

Ich stellte dann fest, dass meine Mutter eine total vereiterte Blase hatte und unter einer tierischen Verstopfung litt. Die Verstopfung wird von den Psychopharmaka gekommen sein, ich habe das als Nebenwirkung nachgelesen. Die Verstopfung ließ sich relativ leicht beseitigen, die Blasenentzündung zwar auch, aber nicht die Krampfblase. Meine Mutter schrie noch monatelang laufend vor Schmerzen, weil sie nicht pischern mochte und den Harn immer so lange zurück hielt wie es irgendwie ging. Die Krankengynmastin erzählte mir, dass sie dieses Problem kennen würde. Viele alte Leute, die man nicht in Windeln wickelt, sondern aus Zeitmangel an einen Katheter anschließt, würden diese schmerzhafte Krampfblase entwickeln und sich deshalb im Alter als Pflegefall furchtbar quälen.
1.4.2011 - Erste Ausfahrt nach Lieferung des Treppensteigers

Es ist entsetzlich, sich das vorzustellen. Warum wickelt man alte Leute, die inkontinent sind, nicht einfach in Windeln? Ich habe das danach doch auch getan. Und warum hindert man denn die Menschen, die ihre Verwandten gern pflegen würden, daran, das auch tun zu können. Will man damit erreichen, dass Renten eingespart werden, denn so werden alte Menschen ja viel früher und unter grässlichen Qualen sterben als es sein müsste, wenn man sie in ihren Familien lassen und die bei der Pflege unterstützen würde.

Mit der Zeit lernte meine Mutter, wieder zur Toilette zu gehen, die Schmerzen beim Wasserlassen ließen nach. Sie lernte auch in der Wohnung am Gehwagen laufen. Jürgen half mir mit Mama, die ja genauso dick wie ich und deshalb sehr schwer war. Im ersten Vierteljahr durfte sie gar nicht aus dem Bett, sich nur zum Essen auf die Bettkante setzen. Sie konnte lediglich aus dem Fenstern ihres Zimmers nach draußen sehen. Die Hausärztin taugte übrigens gar nichts. Sie kam kaum raus und irgendwann am Telefon meinte sie, das würde ja so schlecht bezahlt und da ich keine Medikamente wollte, würde sie so zusetzen. Tolle Zustände. Die Frau mag recht haben, aber was haben wir denn für bescheuerte Gesetze, wenn Ärzte nur dann was an ihrer Arbeit verdienen, wenn sie ungesunde Pillen verschreiben???
Hansi mit Vanessa, Musel, Esther und Manu, Mama vermisste die Familie

Im Frühling bekamen wir einen Treppensteiger, der uns ermöglichte, mit meiner Mutter mit dem Rollstuhl das Haus zu verlassen. Das ist so ein Gerät, den man an den Rollstuhl anschließt und dann die Treppen runter fahren kann. Manuel und Marius kamen noch zu Besuch, Manuel aber immer noch ohne seine Frau und ohne Jarvin. Esther und Vanessa blieben hart. Meine Mutter hat von beiden ihre Urenkel nie mehr zu sehen bekommen, bis sie starb. Ich durfte aber meine Mutter mit beiden telefonieren lassen. Es tat mir weh, kein Kontakt zu Kindern ist besser als so eine Fendseligkeit erleben zu müssen, aber ich wusste, meine Mutter kann nicht mehr lange leben, so schlecht wie es ihr ging, also suchte ich diese Telefonate mit meinen Töchtern, meiner Mutter zuliebe.
Jürgens Tochter mit seinem kleinen Enkel 2011

Im gleichen Frühling meldete sich nach 18 Jahren ohne Kontakt Jürgens Tochter. Sie war mit einem ehemaligen Preetzer verheiratet, hatte einen Sohn, der Gabriel heißt und damals 4 Jahre alt war. Einerseits freute Jürgen sich. Er sagte aber auch, er kennt seine Tochter. Sie sei launisch und schwierig und er sei nicht sicher, ob das wirklich dauerhaft so bleiben würde. Es blieb auch nicht so. Wir waren einmal gemeinsam in einem Zoo, nahmen die drei auch mit nach Bad Segeberg zu den Karl-May-Festspielen, was kurz vor dem plötzlichen Tod meiner Mutter war. Ich kaufte nach Mamas Tod noch ein Weihnachtsgeschenk, das ich später einem anderen Jungen schenkte, denn Anfang Dezember 2011 vergaß Jürgen den Geburtstag seiner Tochter, die uns auch nicht eingeladen hatte, und plötzlich brach sie den Kontakt zu ihm ab. Er war totunglücklich. Sie war nur gekommen, um eine alte Wunde wieder aufzureißen. Sie reagierte auf keine Entschuldigung von Jürgen, dass er doch nur nicht daran gedacht hätte nach so langer Zeit. Später suchte sie den Kontakt zu mir bei Facebook und versuchte, mich gegen ihren eigenen Vater aufzuhetzen. Sie ging dabei so weit, dass ich beschloss, ihr die Wahrheit zu sagen, nämlich dass Jürgen ihre Mutter nur geheiratet hatte, weil er nach 9 Jahren erfahren hatte, sie sei seine Tochter und man hätte sie ihrer Mutter weg genommen und in ein Kinderheim gesteckt. Ohne diese Ehe wäre sie da nicht wieder raus gekommen. Schon mit Ehe wäre es schwierig genug gewesen, sie nach Hause zu holen. Sie wollte mir nicht glauben, dass Jürgen ihr richtiger Vater sei. Ihre Mutter hat ja früher nicht gewollt, dass sie es erfährt. Nun weiß sie es. Wieder gesehen haben wir weder sie noch Jürgens Enkel Gabriel.
Jürgens Schwiegersohn, Tochter, Enkel, Jürgen und Mama

Aber nun zurück zu meiner Mutter. Vanessa habe ich mehrfach mit Mama in der Tierklinik besucht, wo sie arbeitet. Esther habe ich dann auch einfach mit ihr besucht. Wir hatten das Gefühl, es freute sie sogar, dass wir da waren. Sie holte extra ihre beiden Ziegen, um sie uns zu zeigen. Sie erlaubte mir auch, Nixe und Reno und die anderen Pferde zu fotografieren. Nur Raphael war nicht da. Der war gerade auf Klassenfahrt. Sie erzählte aber viel von ihm und auch von dem schlimmen Unfall ihrer Stute Nova, die beim Kennenlernenlaufen einen Sehnenriss davon getragen hatte.

Aber dann wollte ich Esther Fotos von diesem Treffen mailen und bekam die auf eine ganz sonderbare Art und Weise zurück. Ich hatte die Bilder an die Mail-Adresse der Homepage von Esthers Reitschule geschickt. Stunden später kam eine nach einer Rück-mail mit Fehlermeldung aussehende mail zurück, aber die war nicht echt, was ich daran sah, dass mein Name zum Teil mit f und auch mit v geschrieben war. Also Hafemann, aber auch ab und zu Havemann. Das macht kein Computerprogramm, das schickt logischerweise eine mail, wenn das Postfach voll ist, dahin zurück, wo die mail auch her gekommen ist und schreibt nicht den Namen falsch.
Meine Mutter bei Vanessa in der Tierklinik, wo sie arbeitet

Die mail kam auch nicht von Esthers Homepage zurück, sondern von einem Verlag Ihres Mannes und eines Professors, mit dem er gemeinsam Bücher über Kieler Stadtteile vertreibt. Und dann sah ich dort auf dieser Homepage dieses Verlages, wer sich um diesen Verlag kümmert, und das war die Ex meines Kleinen Imke.

Ich war so verdattert, dass ich mich dabei vertan habe, diese mail an meinen Mann Jürgen weiterzuleiten, dem ich sagen wollte, er soll nichts davon meinem Jüngsten sagen, den wir am kommenden Tag zum Essen erwarteten und aus Kiel abholen wollten. Ich schickte die mail, die eigentlich mein Mann bekommen sollte, leider als Antwort an diesen Verlag zurück.
Jürgen, Mama und Esther bei meinem Versuch, alles ins Lot zu bringen

Später rief mich Esther an, ich solle ihr nie wieder Fotos schicken. Offensichtlich hatte sie großen Ärger bekommen als raus kam, dass sie mit ihrer Mutter und Oma geredet und den Besuch geduldet hat. Mein Kleiner kam am nächsten Tag nicht mit zum Essen, sondern maulte eine ganze Weile mit uns, denn dass ich nicht wollte, dass er erfährt, was wir gerade über Imke erfahren haben, hat ihn wütend auf mich gemacht. Es war sofort bei ihm angekommen, dass ich das raus bekommen hatte und schlagartig begriffen, über wen die Person, die uns das alles eingebrockt hat, vermutlich Zugang zu allen Daten auf unserem früheren Familienserver gehabt hat, nämlich über seine Ex-Freundin. Denn dieser Verlag ist sicherlich damals auf dem gleichen Server gewesen, was ich nie geahnt habe.
Esther und Jumper
Nova, von deren Unfall mir Esther an dem Tag erzählte
Esther erzählte Geschichten von ihren Ziegen und holte sie extra, um sie uns zu zeigen

Ich habe damals auch immer meine eigene Homepage auf diesem Server bearbeiten können. Mein Sohn hat nur immer gesagt, Mama geh nie woanders rein, Du könntest die Seiten der anderen aus Versehen ruinieren. Ich bin auch nie woanders rein gegangen außer auf meine eigene Homepage, als ich noch auf diesem Familienserver war. Aber jeder hätte es gekonnt, ich ja auch bei den anderen Seiten. Ich hatte ja Master-Rechte. Wer sonst noch Master-Rechte hatte, weiß ich nicht. Aber jeder, der sie hatte, hätte besagte Morddrohungen an die Ex meines Ex schicken, meine intimen Texte aus meinem Forum in die Öffentlichkeit schieben und auch verändern können und vieles mehr und ebenfalls in unserem e-mail-Account sehen, was für ein Passwort Jürgen bei Clipfish hatte, um dort als Kommentar zu schreiben, er würde Nixe, Reno, Chiwa und Prima wieder bei Esther wegholen wollen, was sie ja damals so wütend gemacht hat, dass alle diese Dinge passiert sind.
Der letzte Tag, an dem ich Nixe streicheln konnte

Tja … ich habe begriffen, was passiert ist und wie ungefähr es passiert ist. Wer genau mein wirklicher Feind in dieser Familie war, das weiß ich immer noch nicht und werde es auch nie wissen. Aber jeder der Mitläufer aus meiner Familie hat sich vor den Karren eines Sadisten spannen lassen und rennt in seinem Auftrag, nur unser Kleiner ist noch resistent dagegen. Wie lange noch, das weiß ich nicht, denn diese Rolle wird er auch nicht unbegrenzt durchhalten, kann er gar nicht. Mobbing zieht irgendwann alle rein, auch die, die sich anfänglich noch wehren.

Das alles passierte im Mai. Meine Mutter hatte noch einen schönen Sommer, aber einen zweiten Besuch bei Esther konnte es so nicht mehr für sie geben, wie ich gehofft hatte oder sogar eine Entspannung zwischen mir und meiner jüngsten Tochter.
Jürgen und Reno, als wir ihn, Nixe, Esther und alle Pferde zum letzten Mal besuchten

Ende Juli besuchte uns Manuel, als meine Mutter Geburstag hatte. Er erzählte uns, dass er sich selbständig gemacht hätte, seinen Traum verwirklicht, eine eigene Oldtimer-Werkstatt bei sich zu Hause zu haben und davon auch zu leben. Er hätte nicht gewollt, dass seine Frau wieder arbeiten geht und den kleinen Jarvin zu lange alleine ließe. Das klang alles sehr positiv. Ich fand die Idee gut. Manuel sagte, er würde einige Tage mit der Familie nach Dänemark fahren wollen, wäre an seinem Geburtstag nicht zu Hause, denn natürlich habe ich wieder versucht, ob wir ihn nicht einmal besuchen kommen könnten. Er brachte auch Fotos von Jarvin mit, der inzwischen zwei total niedliche Zähne bekommen hatte. Tja, unter anderem dachte ich, dass es Manuel und Anni finanziell gut ginge und sie keine Sorgen hätten. Dass ich das dachte, ist wichtig, denn unter diesem Aspekt, habe ich ihn einige Wochen später um Hilfe gebeten und ging auch davon aus, dass er mir helfen könnte. Erst später erzählte mir mein Jüngster, dass Manuel sich erst selbstständig gemacht hat, nachdem er über ein Jahr arbeitslos gewesen ist. Es wäre möglich, dass seine spätere Reaktion auf eine Hilfebitte an ihn nur so krass ausgefallen ist, weil er nicht zugeben konnte, dass er mir gar nicht helfen konnte, weil er selbst auch zu wenig Geld hatte. Das hätte ich erstens verstanden und dann auch ganz anders gefragt, wenn ich es auch nur geahnt hätte.
Manu und Mama bei seinem letzten Besuch

Etwas später fuhren wir noch mit meiner Mutter und Jürgens Tochter, Schwiegersohn und Enkel nach Bad Sebegerg und nahmen Mama dort auch mit. Sie konnte sich an zwei Dinge noch tagelang gut erinnern, und das war der Besuch von Manuel und die Fahrt mit dem Rollstuhl mit ihm am Postsee entlang, aber auch wie der Weißkopfseeadler in Bad Segeberg über ihren Kopf geflogen war, weil sie der große Adler so nah so beeindruckt hatte.

Tja, und dann kam das Ende von Mamas Leben. Ich weiß noch genau, dass sie sagte, es würde ihr letzter Sommer werden, als wir die erste Ausfahrt mit dem Rollstuhl im Frühling 2011 mit ihr machten. Und ich sagte, ach Mama, es kommen noch viele Sommer, aber sie sagte, nein, dieser hier wäre der letzte, sie würde keinen weiteren Sommer mehr erleben. Es war wirklich so. Kurz vorher fiel mir Mamas Glücksschweinchen aus Versehen von der Fensterbank in ihrem Zimmer, wo es einen Platz hatte, an dem sie es immer sehen konnte. Ich bekam einen großen Schreck und sagte zu Jürgen, oh Gott, hoffentlich ist das kein böses Omen, dass mir das Glücksschweinchen zerbrochen ist. Aber es war ein böses Omen. Mein Bauch hatte recht wie so oft, wenn er mir etwas mitteilte. Als der Sommer vorbei war, bekam meine Mutter in meinen Augen eine Magengrippe. Sie fing an, sich zu übergeben. Es wurde einfach nicht besser und war Ende September. Ich war pleite, hatte weder genug Geld für die Praxisgebühr noch für viele Liter Milch, Mineralwasser, Toast oder andere Dinge, die gut gegen eine Magengrippe wären. Deshalb rief ich Manuel an, der mir am Telefon wütend erzählte, ich würde ja meine Pferde mit Kiwis füttern und er würde mir nicht helfen. Entsetzt legte ich den Hörer auf. Vanessa war pleite, Marius ebenfalls, weil sein Bafög wiedermal nicht rechtzeitig gekommen war und er sich selbst schon überall Geld geliehen hatte, um überhaupt noch was zu Essen zu haben. Esther war auch pleite. Unsere Freundin Ela konnte uns mit dem letzten Geld, was sie noch hatte, ein bisschen helfen, aber das rettete meiner Mutter nicht mehr das Leben.
Jarvin 2011 - ich habe ihn nie persönlich gesehen

Jürgen war gerade beim Jobcenter, als sie plötzlich begann, wie eine Sirene zu schreien. Ich musste die Klinik anrufen, den Krankenwagen rufen. Es wollte uns keiner einen Tropf nach Hause bringen, damit ich ihr hier helfen könnte. Ich dachte immer noch an eine Magengrippe. Es war aber keine. Es war Nierenversagen. Das war der Anfang vom Ende und ich erlebte mit dem Tod meiner Mutter nicht nur deshalb, sondern auch wegen vieler anderer Dinge die wohl schlimmsten Monate meines bisherigen Lebens. Warum das wo war und wie Jürgen und ich danach ganz allmählich wieder auf die Beine kamen, werde ich Euch im nächsten Teil erzählen.

LG
Renate

Mittwoch, 2. März 2016

Bilanz - mein Leben in einem kapitalistischen Land - Teil 10

Nach dem Höhenflug Kampf ums nackte Überleben

vorn Nixe und meine Kollegin und daneben Reno und Esther

 
Eine meiner Arbeitskolleginnen in der Klausdorfer Baumschule, in der ich arbeitete, war auch Reitschülerin bei meiner Tochter und übte auf Nixe für eine Show, die am 1. September 2007 stattfinden sollte. Wir schauten ab und zu bei den Proben zu, nahmen auch meine Mama dazu mit und freuten uns sehr darauf.
Esther beim Zureiten von Prima ... sie hätte es schaffen können.

Jürgen und ich sprachen darüber, ob wohl im Jahr darauf auch Chiwa und Prima mit dabei sein könnten. Esther hatte nämlich begonnen, Prima zu reiten. Das war schwierig und sie ritt sie mit Helm und Sicherheitsweste und sehr vorsichtig, aber ich bin sicher, wäre das noch länger gelaufen, Esther hätte es schaffen können, unsere Prima zu reiten. Ich weiß allerdings nicht, ob es meinem Schwiegersohn genug gewesen wäre, wenn Esther unsere Prima selbst reiten könnte. Chiwa hatte im Spätsommer einen leichten Hufreheschub auf einem kleereichen Weidestück, das ich mir schon vorher mit Sorge angeschaut hatte, aber mit der sofortigen Umstellung auf einen kleinen Auslauf mit Heu ging das schnell wieder zurück, sogar ohne Tierarzt und Heparinspritzen. Aber auch bei Chiwa wird sich so gezeigt haben, dass sie kein Pferd werden würde, das man in einer Reitschule nutzen könnte, dazu ist Chiwa generell vom Wesen her zu zickig und außerdem zu krank.
Chiwa ganz vorn und dahinter die Herde bei Esther

Auf jeden Fall war es Jan selbst, der mir vorschlug, doch einen Privatweg von der Baumschule rüber zu seinem Hof zu nutzen, um auch morgens vor der Arbeit, wo ich immer eine halbe Stunde zu früh da war, mal die Pferde zu besuchen. Es war auch Jan, der mir half, als Jürgen einen schlimmen Unfall hatte, denn er überschlug sich auf der Autobahn genau an dem Tag mit meinem Auto, als wir beschlossen hatten, dass wir zusammenziehen würden und das einen Tag später, nachdem uns mein Ex-Mann sehr freundlich geholfen hatte, etwas an dem Auto zu reparieren. Jürgen sagt, er kam auf Bodenwellen auf der Autobahn ins Schlingern, mit dem Auto sei alles in Ordnung gewesen. Nun das mag sein, ich kenne die temperamentvolle Fahrweise meines 2. Mannes ja gut und meckere selbst manchmal mit ihm, er könnte etwas sinniger Auto fahren. Jan fuhr mit mir dort hin und kümmerte sich mit darum, dass Jürgen nach dem Unfall wieder nach Hause und zu einem Arzt kam. Das war nett von ihm. Warum er plötzlich genauso wie mein Ex und überhaupt alle begann, ab September richtig boshaft zu werden, das wissen Jürgen und ich bis heute nicht.
Esther und Hopi bei den Proben für eine Reining

Wir planten die Show und alle wollten mithelfen. Leider konnte Jürgen dann nicht dabei sein, weil er über Randstad .. und sowas ist Zeitarbeit in ihrer Vollendung, die auf nichts Rücksicht nimmt ...genau an dem Sonntag arbeiten musste, und das völlig spontan und ungeplant, als Esthers Tag der offenen Tür mit dieser wunderschönen Show stattfand.

Schon einige Tage vorher saßen mein Ex und Jan immer so merkwürdig zusammen und ihre Körpersprache wirkte feindselig. Gesagt hat aber noch keiner was. Jürgen und ich merkten das sehr wohl, aber noch griff uns niemand offensichtlich an.

Wir waren im Sommer gemeinsam im Zoo gewesen, es war ein sehr schöner Tag mit der ganzen Familie, auch Katrin, die neue Freundin meines Ex war dabei. Aber als ich meinen Mann fragte, ob er meine Mutter und mich nach der Show nach Hause bringen könnte, lehnte der das plötzlich schroff ab und war extrem unfreundlich. Gleichzeitig teilte er mir mit, dass er mir keinen Unterhalt mehr zahlen würde.
Hansi, Raphael, ich und meine Mama im Zoo
Esther, Katrin, Karim, der Sohn von Katrin und Hansi im Zoo

Schon ein paar Monate vorher hatte er mir nicht mehr den vollen Unterhalt gezahlt, sondern immer nur 400 statt 600 Euro. Nun, ich hatte den Nebenjob in der Baumschule, über Oma das Pflegegeld, Jürgen seinen Mini-Lohn bei Randstad und wir schafften es so, uns durchzuschlagen, zumal ich bei Esther für Chiwa und Prima ja nicht viel bezahlen musste.






Raphael, Jürgen und meine Mama im Zoo

vorn ich am Showtag am Getränkestand
Es war aber alles zunächst harmonisch, kein böser Streit von keiner Seite. Eine Freundin von uns machte mit Jürgens Handy Videos von Esthers Show und ich verkaufte gemeinsam mit Jans Mama und Oma Getränke an die Zuschauer. Ich weiß nicht genau, wie sehr es Jans Oma Lise aufgeregt haben mag, dass an diesem Tag oft Raphael zu mir kam und klar stolz seiner richtigen Oma erzählte, wie toll er das alles machte wie beim Voltigieren auf Sunny im Indianerkostüm.

Aber als ich dann meinen Ex fragte, uns nach Hause zu bringen, sagte der nein. Und als ich nach der Show meine Tochter fragte, ob sie mich mit meiner Mama nach Hause bringen könnte, die ich ja in keinen Bus hätte setzen können, sagte die auch nein. Ich musste mit meiner gelähmten Mama im Aufenthaltsraum vor der Reithalle warten, bis Jürgen bei Randstad Feierabend hatte, die schwer dement war und mich ständig hilflos fragte, warum wir denn nicht nach Hause fahren würden. Endlich kam dann Jürgen und wir konnten los. Ich war enttäuscht und verwundert ob so viel Kälte seitens meiner ganzen Familie und merkte, es käme irgendwas auf uns zu, das nicht gut war.
Raphael am Showtag auf Max beim Voltigieren

Mein Ex hatte eine Lohnpfändung für alte Schulden bekommen. Auch das war nicht meine Schuld und Jürgen erklärte ihm noch, Unterhaltsansprüche hätten sowieso Vorrang, das sollte er einfach angeben, das hätte er früher auch immer so gemacht und zuerst den Unterhalt für Frau und Kinder pfänden und die anderen leer ausgehen lassen. Das sei gar kein Problem. Aber mein Ex machte ein Problem daraus und zahlte mir ab dann keinen Cent mehr.

So konnte ich natürlich nicht auskommen und war über das Jobcenter gezwungen, ihn auf Unterhalt zu verklagen. Als ich das tat, ging es los, dass Texte aus dem Administrationsbereich meines Hufrehe-Forums auftauchten, die es zwar gab, aber ganz persönliche Gespräche zwischen mir und meiner liebsten Moderatorin dort gewesen waren, und das in meiner Unterhaltsklage. Dann tauchten Morddrohungen an Hansis Freundin Katrin auf, die angeblich ich per E-mail an die geschickt hätte, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Ich habe der Frau nie gedroht, sie war ja auch gar nicht die einzige Freundin, die mein Ex-Mann hatte, sondern nur die, die er nun offiziell als Vorzeigefrau den Kindern zeigte, was mir persönlich vollkommen klar war. Sie tat mir eher leid, weil sie in meine Rolle schlüpfen sollte und die war alles andere als schön gewesen. Sie ist heute auch nicht mehr mit meinem Ex zusammen. Es gab später eine Weile eine neue Vorzeigefrau, die Babs heißt und mit der er eine Weile auch zusammen gewohnt hat. Die Beziehung hat aber dann doch nicht gehalten und momentan ist mein Ex-Mann soweit ich weiß solo. Wir schreiben uns ab und zu bei Jappy. Er hat Kontakt zu allen Kindern, darf mir aber nicht wirklich erzählen, wie es ihnen geht, aber immerhin weiß ich so zuweilen, dass sie noch da sind, wenn sie zu seinem Geburtstag da waren oder zu Weihnachten, was ich dann doch erfahre. Als Anwältin nahm sich mein Ex-Mann damals Ende 2007 ie Busenfreundin meines Schwiegersohns, mit der der schon als Gymnasiast die Schulbank gedrückt hatte. Mit Prozesskostenhilfe hatte ich keine Chance, meine Unterhaltsklage so durchzukriegen.
Lisa (der Reno heute gehört) und Esther am Showtag auf Reno
Tango-Nummer ... Esther und Filia, Lisa und Reno

Ich ließ es schließlich sein und suchte mir einen anderen Anwalt, der mir ausdrücklich erklärte, die lukrative Scheidung würde er machen, eine Unterhaltsklage mit Problemen aber nicht, da würde er nichts dran verdienen. Tja, so wurde ich ohne einen Cent weiteren Unterhalt dann zwei Jahre später irgendwann geschieden und nahm aus Wut über alles, was ich inzwischen erlebt hatte, meinen Mädchennamen Hafemann wieder an.
Marius am Showtag, der mich da am Getränkestand ablöste

Das war aber noch nicht alles, was meine Mutter, Jürgen und ich erleben sollten. Mit unserem Vermieter hatten wir abgemacht, dass mein Ex, der einmal versprochen hatte, einige Renovierungsarbeiten an dessen Haus gegen offene Mieten zu machen, die er nie gemacht hatte, diese Summe in Raten an den bezahlen sollte und wir dann weiter Miete zahlen. Aber dann konnte ich am 1. September keine Miete bezahlen, weil mein Ex mir keinen Unterhalt zahlte.

Obwohl ich es hätte eigentlich dann zum 1. Oktober hätte nachholen können, weil da das Geld vom Jobcenter kam, konnte ich wieder nicht zahlen, denn genau am 30.09.07 löste mein Sohn Marius plötzlich das für mich unter seinem Namen laufende Bankkonto auf und mein Hartz IV ging ins Leere. Auch mein Forum war an diesem Tag gelöscht, ebenso mein E-mail-Account und ich konnte deshalb auch keine meiner zum Teil sehr guten virtuellen Freundinnen um Hilfe bitten, weil ich niemand erreichen konnte.
vorn Prima und Nixe noch gemeinsam bei Esther auf dem Hof

Als Jürgen und ich wütend zu meinem Sohn fuhren, um zu fragen, warum er das getan hätte, merkten wir, dass seine Freundin Imke sehr gut in alles eingeweiht und sehr boshaft war. Wir erfuhren, Jan wäre da gewesen und hätte Marius bedroht, ihn anzuzeigen, weil ich so böse Dinge über dessen Server täte und er dafür die Verantwortung hätte.

Für uns hatte das die fristlose Kündigung unserer Wohnung zur Folge, denn unser Vermieter wollte das Haus schon lange verkaufen und hatte so nun endlich einen Grund, den Mieter aus der unteren Etage loszuwerden. Inzwischen ist das Haus auch verkauft worden und auch alle anderen Mieter wurden raus geklagt unter der Begründung Eigenbedarf, und zwar vom Käufer.
Meine Mama bei Esther auf dem Hof in Klausdorf

Ich versuchte, mit einer Räumungsschutzklage Zeit zu gewinnen, denn es wurde Winter und meine Mutter hätte eine Obdachlosigkeit nicht überlebt. Jürgen war mal obdachlos, und das mitten im Winter und sagte, das schafft Oma nicht, sie stirbt auf der Straße in ihrem Zustand. Aber alle meine Kinder stellten sich komplett tot. Esther oder Manuel hätten viel Platz gehabt, zumindest ihre Oma bei sich aufzunehmen, aber es tat keiner.

Wir machten die Erfahrung, dass wir auch nicht nach Kiel ziehen konnten, denn meine Mutter kriegte Sozialhilfe und nicht Hartz IV und hatte so keine Chance, aus dem Kreis Plön rauszukommen. Der Kreis Plön wiederum hat kein Wohnungsamt und niemand hilft. Ich bat den psychosozialen Dienst um Hilfe, es kam auch eine Frau, aber alles, was die konnte, war im Kreis labern und freundlich sein. Helfen konnte die uns ebenfalls nicht.
Manuel und Anni mit ihrem Dackel Luna

Die Wohnung, in der wir heute leben, fanden wir in allerletzter Sekunde nur wenige Wochen, bevor der letzte Termin auslief, den ich über die Räümungsschutzklage noch hatte rauschinden können. Beim Umziehen half uns dann Manuel ein bisschen nach Feierabend die ganz schweren Sachen in den 3. Stock tragen. Als ich ihn fragte, wo sie alle in der Zwischenzeit gewesen seien, sagte er, sie hätten gemeint, Jürgen macht das schon.

Ganz toll.

Ihre Oma lebte von Stund an in einer Wohnung ohne Garten, aus der sie ohne Hilfe nicht raus kam mit Jürgen und mir, die beide arbeiten mussten, Jürgen im Schichtdienst und ich flexibel auf Abruf. Wenn ich Feierabend hatte, saß sie oft weinend da, weil sie nicht wusste, dass ich zur Arbeit hatte gehen müssen, denn der Umzug verschlimmerte ihre Demenz extrem. Das einzige, woran sie sich fest klammerte, war unsere Katze Blanka.
Manuel und Anni vor einem VW Samba-Bus

Im Juli 2008 luden uns Manuel und Anni zu ihrer Hochzeit ein. Wir freuten uns sehr darüber, obwohl diese Hochzeit für mich und Oma eine Qual war, denn Vanessa und Esther und unsere drei Enkel Marc, Janin und Raphael trauten sich alle nicht uns anzuzsprechen. Sie schauten rüber, man merkte, wie verhetzt alle waren und ich musste mich sehr zusammennehmen, nicht laut loszuweinen, was ich nicht wollte, denn Manuel sollte doch eine schöne Hochzeit haben. Es war eine wunderschöne Oldtimer-Hochzeit mit Trauung um Mitternacht im Standesamt Neumünster, etwas das so gut zu ihm passte. Gesprochen haben an dem Tag mit uns nur einige Fremde und Manuel und Marius, auch Imke. Mit Imke und Marius hatten wir uns gemeinsam eine Geschenkidee für das Paar ausgedacht, die auch sehr gut ankam, weil sie doch originell war.
Meine Enkel Marc, Raphael und Janin, meine Töchter Vanessa und Esther und Timo, Nessis Mann

Trotzdem geht mir nach einem Erlebnis, das später kam, die Rolle von Imke bei den Sachen vorher nicht aus dem Kopf, denn ich vermute, dass die Homepage für den Buchverlag meines Schwiegersohnes genauso wie meine auch auf dem Privatserver meines jüngsten Sohnes war, über den alle diese Sonderbarkeiten passierten, die uns so tief ins Unglück gestürzt und fast obdachlos gemacht hätten und auch schuld waren, dass mein Traum, dass unsere Pferde zusammen bei Esther bleiben könnten und alles wieder gut würde, wie eine Seifenblase zerplatzen ließ und sogar dazu führten, dass Esther in einem Streit bei uns zu Hause deshalb mit einer Haushaltsschere auf Jürgen los ging und meine Mutter 110 anrief, so dass die Polizei dazu kam. Wir haben Esther damals zwar nicht angezeigt, aber weil sie und Jürgen nicht verwandt sind, wurde das alles damals trotzdem bearbeitet und ich weiß bis heute nicht, was das für Konsequenzen für sie gehabt hat, so die Nerven verloren zu haben. Und warum? Angeblich soll Jürgen irgendwo geschrieben haben, er würde Nixe, Reno, Chiwa und Prima wieder bei ihr weg zu uns hinters Haus holen wollen. Das hat er aber nie gesagt und auch nirgends so geschrieben. Wer also tat das alles gemacht und warum? Es ist anzunehmen, dass die Person Zugang zu unseren Passworten hatte, die über meinen E-mail-Account in meinen Augen auf unserem Familienserver sicher aufbewahrt waren so wie ich heute auch alles, was wichtig ist, bei gmx sicher deponieren kann und dort immer wiederfinde, auch wenn mal der Computer abstürzen sollte.
Esther, Jan, Imke und Musel ... vermutlich waren Imke und Jan damals schon ein Paar

Warum ich das denke, werde ich dann auflösen, wenn es an der Zeit ist .. denn erst viele Jahre später erlebte ich etwas, das mich das überhaupt in Erwägung ziehen ließ, weil mir etwas ganz Merkwürdiges auffiel.

Nach der Hochzeit von Manuel ging unser Leben eine Weile schwer, aber irgendwie weiter. Wir waren vollkommen entwurzelt, ab und zu besuchten uns Manuel und Marius. Marius hatte sich inzwischen von Imke getrennt und ich verlor ihn mehrfach aus den Augen, weil einmal er auszog, dann wieder einzog, dann sie ihn raus geschmissen hat und er irgendwo gewohnt hat, er studierte eine Weile etwas mit alternativen Enegiesystemen, das ihm nicht gefiel, brach es wieder ab, begann Multimedia Production zu studieren, aber musste aufhören, weil das Bafög zu spät kam und ihm niemand helfen konnte, lebte irgendwo bei Freunden, tauchte wieder auf und fing irgendwann ein zweites Mal an zu studieren.
Esther und Hansi

Wäre Marius damals bei mir geblieben, wäre er längst fertig und ich weiß, Marius ist sehr begabt und dieses Fach wäre etwas, womit er einmal Erfolg haben könnte, selbst nicht ganz gesund,denn das ist er ja nicht. Sie fiel weich, wie ich es gedacht habe, Marius schlug steinhart auf und hat mit den Folgen bis heute zu tun, auch wenn er irgendwie wie ich auch überlebt hat und wir auch noch immer Kontakt haben. Aber wenn ich ihm sage, ich habe doch gleich gedacht, ich habe Bedenken, gleich mit Imke zusammenzuziehen, das könnte schief gehen, er würde sagen, Mama das geht Dich nichts an.

Mütter geht es aber was an, was aus ihren Kindern wird und Mütter haben in Bezug auf die Partner ihrer Kinder meistens gute Instinkte, die mit Eifersucht überhaupt nichts zu tun haben, sondern nur mit dem Wunsch, ihre Kinder sollen glücklich werden und eine gute Beziehung führen, das ist alles, was sich die meisten Mütter für ihre Kinder wünschen, ich jedenfalls ja.

Ich verlor meinen Job in der Baumschule, als ich einen schweren Baum auf einen Hänger lud und mir das Knie dabei verrenkte. Krank wurde ich nicht bezahlt, aber wie immer kriegte ich auch keine Bescheinigung darüber, dass ich nichts verdienen würde und das Jobcenter zog mir deshalb noch über ein halbes Jahr fiktives Einkommen ab, bis ich die Firma auf Herausgabe von Unterlagen vor dem Arbeitsgericht verklagt hatte. Schon im Winter davor war mir diese Firma eine Bescheinigung darüber schuldig geblieben, dass wir einige Monate geschlossen hatten. So ist das mit dem Jobcenter und so ist das mit vielen Jobs.
Rechts in der Ecke Jürgen, meine Mama und ich bei der Hochzeit

Bei Randstad erging es Jürgen nicht viel besser. Auch er wurde irgendwann in einer Scheibenfabrik sehr krank, hatte ständig Probleme mit Sehnenscheidenentzündungen und wurde dann deshalb dort entlassen. Die Leiharbeit war die Hölle und wir waren froh, dass Jürgen auf diese Weise dort weg kam, denn selbst kündigen hätte er ja nicht können. Er wurde nie als CTA verliehen, immer nur für Schwerstarbeiten im Schichtdienst, denen er körperlich gar nicht gewachsen war und das für extrem wenig Geld. Die Kosten für 5 alte Autos, die wir verschlissen haben, damit er diesen Job machen konnte, sind uns seitens des Jobcenters nie ersetzt worden, sondern nur 20 Cent Benzingeld pro km einfache Strecke und das noch natürlich verrechnet auch mit den ersten 100 Euro Freibetrag. Die restlichen angeblich übrig bleibenden Freibeträge reichten nichtmal für den Rest.

Hier in der Glindskoppel von Preetz, der Sozialecke dieser Kleinstadt, lernten wir inzwischen viele Menschen kennen, die ähnliche Dinge erlebten und immer wieder erleben.
Meine Mutter mit Blanka

Deutschland zieht sich seine eigenen Sklaven..

Ich begann, mich nach dem Umzug hierher politisch zu betätigen und mache das auch noch heute, aber inzwischen nicht mehr als Parteimitglied, sondern nur noch, indem ich offen meine Meinung und unsere Erlebnisse in einem Blog festhalte.

2009 starb unsere Hündin Chérie an Hautkrebs und ließ den Boomer, den wir 2008 aus dem Tierheim dazu geholt hatten, alleine zurück. Er ist unser kleiner Sonnenschein hier in der Wohnung. Auch unser altes Chinchilla Musi starb uns hier in Preetz in der Etagenwohnung.
Jürgen mit Chérie (links) und Boomer (rechts)

Unsere Pferde lebten nacheinander zunächst in Klein Barkau und zwei verschiedenen Ställen in Boksee, aber darüber berichte ich extra und genauer in der Geschichte unserer Pferde. Nixe und Reno blieben noch einige Jahre bei Esther als Schulpferde und ich sah sie nur heimlich ab und zu über den Zaun. Aber auch das würde sich später ändern.

Ich mache einmal wieder Pause und werde Euch dann über die Zeit ab ca. 2010 berichten, ein Jahr, in dem es meiner Mutter zunehmend schlechter gehen sollte und in dem Jürgen und ich beide gar keine Arbeit hatten, um uns etwas dazu verdienen zu können. Der ständige Geldmangel schadete jedem von uns und sicherlich meiner alten und gebrechlichen Mutter am meisten, deren Widerstandskräfte nicht mehr so groß waren. Zum Mangel gehört aber auch die Psyche, denn das schlimmste an der Armut ist das Verstoßenwerden von allen Menschen, die Angst haben, dass sie helfen müssen, wenn sie es nicht tun, denn unser Staat will ja auch gar nicht, dass die Menschen, die im Abseits als Sklaven gehalten und im Alter am besten ganz langsam in den Tod gejagt werden, Hilfe bekommen.
Jürgen und ich mit Prima und Chiwa im Stall in Klein-Barkau

Also bis bald, wenn ich über die Jahre berichten werde, die noch folgten.

LG
Renate